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22.10.2002 news / kultur / theater



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Auch der mongolische Staatspräsident Natsagiin Bagabandi wohnte der Aufführung der Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" bei

Wochenendtrip zu den «Lustigen Weibern von Windsor» in die Mongolei


Ulan Bator (dpa) - Von Berlin nach Ulan Bator, um die Premiere einer deutschen Oper in mongolischer Sprache zu erleben? Als im Opern- und Ballett-Theater der mongolischen Hauptstadt die ersten Töne der Ouvertüre zur komischen Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» von Otto Nicolai erklangen, waren tatsächlich eigens aus Deutschland angereiste Mongolei- und Musikliebhaber unter den Besuchern.

Die mongolisch-deutsche Geschichte des Opernhauses von Ulan Bator reicht weiter zurück. 1943 entwarf der heute 95 Jahre alte Gerhard Kosel, ein vor den Nazis in die Sowjetunion geflüchteter Berliner Architekt, im Auftrag Stalins und der mongolischen Regierung die Pläne für das Projekt. Erst 25 Jahre später, als Kosel in Ostberlin lebte, erfuhr er von der Verwirklichung seiner Entwürfe.


Unter Mitwirkung japanischer Kriegsgefangener wurde das klassizistische Gebäude am Südostrand des Sukhbaatar-Platzes Anfang der 50er Jahre errichtet. Seitdem wechselten auf der Bühne des Hauses farbensatte mongolische Folkloreprogramme und die Nationaloper «Die drei traurigen Hügel», russische Ballette und italienische Opern, Solo-Programme europäischer, amerikanischer und asiatischer Künstler einander in schöner Regelmäßigkeit ab.


Vor zwei Jahren hatte der Büroleiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Ulan Bator die Idee, die Oper für seine Geburtstagsparty zu mieten. Mongolen wundern sich über fast gar nichts, die Feier wurde ein voller Erfolg. So überrascht waren einige der Gäste darüber, mit welchem Charme und in welch hoher Qualität die Sänger, Tänzer und Musiker eines Nomadenvolkes Werke der europäischen Klassik darboten, dass sie beschlossen, einen Verein zur Förderung der Oper von Ulan Bator zu gründen, denn die staatlichen Zuwendungen für Kunst und Kultur im allgemeinen und für das Opern- und Balletthaus im besonderen sind begrenzt.


«Die Freunde der Oper zu Ulaanbaatar» aus Berlin, Bremen, Lübeck, Hissum und Schönefeld sammelten Geld für Text- und Notenbücher, für neue Instrumente und auch für Requisiten. Mongolische Opernsänger gaben im vergangenen Jahr in Berlin ein umjubeltes Konzert. Als sich in Ulan Bator der Vorhang zu der Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» hob, Sir John, gespielt von dem Bassisten Batmend, die Arie «Als Büblein klein an der Mutterbrust» sang, spendeten die Premierengäste, darunter Staatspräsident Natsagiin Bagabandi, Minister, Staatssekretäre und ausländische Diplomaten begeisterten Applaus.


Das für manchen Geschmack etwas zu bunte Bühnenbild und die fantastievollen glitzernden Kostüme gefielen den Mongolen ausnehmend gut. Die aufwändig gestaltete Traumszene wurde gebührend bestaunt, der erfolgreich hinters Licht geführte Falstaff etwas mitleidig, aber laut ausgelacht. Neun Opernfreunde verpassten allerdings die Premiere: Das Flugzeug, das sie von Berlin nach Ulan Bator bringen sollte, musste wegen Sturm und Schneefällen in der mongolischen Hauptstadt einen Zwischenstopp in Peking einlegen. Einen Tag später, der Himmel war wieder strahlend blau, konnten sie die zweite Vorstellung der ersten deutschen Oper in der Mongolei genießen und begannen schon Pläne für die Vorbereitung der nächsten Premiere zu schmieden.



Redaktion INTRINET

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