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Ein fränkisches Gasthaus eröffnet in der Mongolei
Kniedla in Ulan Bator
Eysöldener Wirtin ist begeistert vom Land des Dschingis Khan
  
EYSÖLDEN (ebo) – „Goldener Hirsch“ heißt auf Mongolisch „Altan Buga“, und in diesen zwei Sprachen soll auch bald ein Wirtshausschild an einem Häuschen in der Hauptstadt der Mongolei Ulan Bator hängen. Die Eysöldenerin Gesine Schiele will ihren Traum vom mongolisch-fränkischen Restaurant in Fernost verwirklichen, und sie ist auf dem besten Weg dazu.

Zur Erinnerung: Die Wirtin der Eysöldener „Schloßschänke“ machte sich im vergangenen Jahr mit ihrer Schwabacher Freundin Annelie Petry auf die abenteuerliche Reise in das Land Dschingis Khans (wir berichteten). Sie war so von der Landschaft und der Herzlichkeit der Menschen angetan, dass sie mit ihren neuen Freunden anfing, Pläne von einem fränkischen Wirtshaus in der Mongolei zu schmieden. Mit ihrer Reiseleiterin Munche und mit Tunga, die in einem Touristen-Camp Köchin ist, hat sie gleich zwei begeisterte Einsteigerinnen gefunden, die dieses Projekt gerne in Angriff nahmen.

Zurzeit sind die beiden Mongolinnen in Eysölden zu Gast und werden von der „Schloßwirtin“ in die Geheimnisse der fränkischen Küche eingeweiht. Sie lernen, wie man „Rinderschmorbraten mit Kniedla“ oder einen „Kirschenmichel“ zubereitet.

Allerdings war es ein schwieriger Weg, bis Munche und Tunga deutschen Boden betreten konnten. Zuerst musste das Geld für den Flug zusammengetrommelt werden. Dank Gesine Schieles Einfallsreichtum, war das schnell geschehen. In der „Schloßschänke“ hielt sie mit Annelie Petry Diavorträge über das faszinierende Land und hat dabei ihre Gäste gegen einen Unkostenbeitrag gut bekocht. Aus dem Erlös wurden die Flugtickets bezahlt.

Damit Munche und Tunga überhaupt nach Deutschland einreisen durften, brauchten sie eine Einladung. Die erste Einladung kam nicht in Ulan Bator an. Um auf Nummer sicher zu gehen, drückte Gesine Schiele eine Kopie der Einladung Justizminister Manfred Weiß in die Hand. Weiß reist jedes Jahr in die Mongolei, um dort mitzuhelfen, ein Justizwesen nach bayerischem Vorbild aufzubauen. Durch einen Artikel in der Hilpoltsteiner Zeitung ist der Minister auf Schieles Vorhaben aufmerksam geworden.

Versuch mit „Mongolen-Schorsch“

Doch die besten Beziehungen nützen nichts, wenn die Formalitäten nicht stimmen. Die Behörden akzeptierten die Kopie nicht. Letzter Versuch: Übers Internet hat Schiele den „Mongolen-Schorsch“ aus der Gegend von Forchheim kennengelernt, der geschäftliche Beziehungen in die Mongolei hat und er hat dann die Einladung an die beiden Damen gebracht.

Seit zwei Wochen weilen Munche und Tunga in Franken und sie haben schon viel gelernt und gesehen. Wenn nicht gerade Kochen auf dem Programm steht, schauen sie sich in Gasthäusern in der Region um. „Wichtig ist, dass sie wissen, wie es bei uns ausschaut“, betont ihre Lehrmeisterin Gesine Schiele. Es komme nicht nur aufs Essen an, sondern auch auf das Drumherum. Das fange beim Bedienen an und gehe hin bis zur Einrichtung und der Tischdekoration.

Nun wissen die beiden, wie ein typisch fränkisches Lokal aussieht und tun sich auch leichter mit einem bestimmten Bild im Kopf, die passenden Räumlichkeiten in Ulan Bator ausfindig zu machen. Nach ihrem Deutschlandaufenthalt werden sich Munche und Tunga dann auch auf die Suche machen. Wann die Eröffnung sein wird, steht noch in den Sternen. Es ist keine Eile geboten. Schließlich muss alles reiflich überlegt sein.

Hotelfachfrau und Koch

Munche und Tunga müssen auch nicht alleine vor sich hinwursteln, wenn der „Goldene Hirsch“ seine Pforten öffnet. Deutsche Unterstützung ist ihnen zumindest am Anfang gewiss. Schieles Tochter Daniela macht gerade eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und ist mit einem Koch liiert. Die beiden wollen in den ersten Monaten in Ulan Bator mit anpacken.

Da muss natürlich auch die Logistik stimmen. Deutsches Bier und fränkischer Wein in der Mongolei? Alles kein Problem. Es gibt zwei Brauereien „Dschingis Bräu“ und „Khan Bräu“, beide von deutschen Braumeistern geleitet. Und im deutschen Supermarkt, in der deutschen Bäckerei und Metzgerei gibt es alles, was des Deutschen Gaumen begehrt.

Außerdem brauche man zum fränkisch Kochen gar nicht so exotische Zutaten, weiß Schiele. Mit den Grundnahrungsmitteln Mehl, Eier, Kartoffeln könne man schon viel erreichen. Außerdem gibt es in der Mongolei Fleisch ohne Ende. Ob Kuh, Schwein, Lamm oder Ziege – alles da. Und: „Es schmeckt viel besser als bei uns, weil die Tiere alle in der Steppe aufwachsen und viele Kräuter fressen“, erzählt Schiele. Man habe schon Kontakte zu Bauern aufgenommen, von denen man Fleisch und Käse beziehen will.

Auch um die passenden Küchengeräte haben sich die drei Frauen bereits gekümmert. Auf dem Trödelmarkt in Hilpoltstein haben sie zugeschlagen angefangen vom Spätzlehobel über das Reibeisen bis hin zum Handrührgerät ohne Strom. Das sei wichtig, schließlich falle in der 700 000 Einwohner zählenden Stadt öfters mal der Strom aus, weiß Munche zu berichten. Doch gegen alle Unzulänglichkeiten will man gewappnet sein. Eines ist zumindest sicher: Um Gäste braucht man sich beim „Goldenen Hirschen“ keine Sorgen machen. In der Mongolei tümmeln sich immer mehr deutsche Touristen. Viele ehemalige DDR-Bürger leben dort, und Siemens hat ein großes Werk in Ulan Bator. Na, dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Wer sich für das Leben und die Küche in der Mongolei interessiert, für den haben sich Gesine Schiele, Munche und Tunga etwas Besonderes einfallen lassen: Am Dienstag, 10. September, und Freitag, 13. September, jeweils um 19 Uhr, lädt das Trio zu einem Vortrag über Land und Leute in die Eysöldener „Schloßschänke“ ein, mit den Schwerpunkten mongolische Hochzeit, Buddhismus und Schamanen sowie mongolische Küche. Dabei gibt es auch kulinarische Kostproben. Der Unkostenbeitrag in Höhe von 15 Euro kommt dem „Goldenen Hirsch“ zugute. Um rechtzeitige Anmeldung unter Telefon (0 91 73) 5 37 wird gebeten.

17.8.2002 0:00 MEZ
  
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