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Der Salzburger Zoo hat ein neues Projekt auf schnelle Beine
gestellt. Er kümmert sich in der Mongolei nicht nur um die
Wiederansiedelung der Przewalski-Pferde, sondern auch um
Khulane. Diese Wildesel sind ausdauernde Läufer. Doch ihrer
Bedrohung in Gestalt des Menschen entkommen sie nur mit
tatkräftiger Unterstützung.
URSULA KASTLER
Christian Walzer öffnet seinen Laptop, stellt den
Bildschirm gerade und klickt die Landkarte der Mongolei an.
Inmitten der feinen schwarzen Linien werden bunte Punkte
sichtbar, die hin- und herflitzen und dann längere Striche
bilden. "Der rote und der blaue Punkt sind je ein Weibchen.
Der grüne Punkt ist ein Männchen. Es ist faszinierend, wie
sich die Tiere im Raum organisieren. Sie wandern über lange,
festgesetzte Strecken und benutzen richtige Esel-Autobahnen",
sagt er. Christian Walzer ist Veterinärmediziner im Zoo
Salzburg und leitet gemeinsam mit Zoologin Petra Kaczensky ein
Wildesel-Projekt im Südwesten der Mongolei.
Warum gerade Wildesel? Die Khulane, wie sie wegen der
gelblichen Farbe des Fells genannt werden, sind seit 1953 in
der Mongolei geschützt. Doch die Bevölkerung hat sich vermehrt
und die Winter der vergangenen Jahre waren hart. Das führte zu
Konflikten um Lebensräume. Die Menschen suchen dieselben
Wasserstellen auf wie die Wildesel und verscheuchen damit die
Tiere. Die Nomaden sehen in den Khulanen Weidekonkurrenten für
ihre Haustiere. Sie selbst wildern die Esel, sobald sie ihre
eigenen Tiere verlieren. "Die Mongolen sehen die Esel als
Schädlinge und als Fleischlieferanten. Wenn die Wilderei um
sich greift, ist der Bestand von 1000 Tieren gefährdet. Sie
machen außerdem Druck auf die Regierung, Khulane zum Abschuss
freizugeben." Walzer und seine Mitarbeiter bauten deshalb ein
Anti-Wilderer-Programm auf. Speziell ausgebildete Einheimische
haben ein wachsames Auge auf die Tiere, die im 12.000
Quadratkilometer großen Gobi-B-Nationalpark leben. Im Juli
2002 begannen die Salzburger mit einem Monitoring.
Zwei junge Stuten und ein junger Hengst wurden mit Sendern
ausgerüstet. Die Daten werden über Satelliten übertragen.
Deshalb kann Christian Walzer auf seinem Bildschirm in
Salzburg die Wege und Aufenthaltsorte der Khulane
mitverfolgen. Den flotten Vierbeinern das Halsband umzuhängen,
war nicht einfach: "Sie rennen mit einer Geschwindigkeit bis
zu 60 km/h. Das ist superschnell. Und sie sind ausdauernde
Läufer. Ein Khulan kann an einem Tag eine Strecke von bis zu
60 Kilometern Luftlinie zurücklegen und er hat eine riesige
Fluchtdistanz." Die Lösung war ein kleines grünes, nicht sehr
bequemes Zelt. "Wir haben in der Dämmerung morgens und abends
die Khulane beobachtet. Probleme machte uns der Wind. Er bläst
dort teilweise mit 60 bis 80 km/h. Es ist sinnlos, mit dem
Narkosegewehr schießen zu wollen."
Zwei Jahre lang sollen die Sender halten, dann werden sie
sich von selbst von den Hälsen der Esel lö-sen. Bis dahin
hoffen die Forscher einiges zu erfahren. "Bis jetzt gibt es
keine Untersuchungen. Wir wissen wenig über ihre
Lebensgewohnheiten und ihr Sozialsystem. Keine Informationen
gibt es über die genetische Zusammensetzung der verschiedenen
Gruppen. Der mongolische Wildesel ist vermutlich eine eigene
Art", sagt Walzer.
Die Tiere bilden lose Verbände, nicht wie Pferde
Haremsgruppen. Die Gruppen "teilen" einander nicht mit, wenn
Gefahr in Verzug ist. Männliche Khulane besetzen - oft nur für
Stunden - ein Territorium um eine Wasserstelle. Dort kämpfen
die Hengste miteinander. Die Stuten ziehen durch und werden
gepaart. Im Juni und Juli kommen die Fohlen zur Welt.
Interessant wird sein, wo die 1000 Khulane des
Gobi-B-Nationalparks den Winter verbringen. Walzer vermutet,
dass sie Richtung China ziehen, wo es mehr Futter gibt und die
Witterung besser ist. Ihre Heimat ist alles andere als
gemütlich. Das Gebiet des Nationalparks ist Luftlinie 1500
Kilometer von der Hauptstadt Ulan-Bator - das bedeutet rote
Stadt - entfernt. Es ist eine Hochlandsteppe mit geringem
Niederschlag. Mensch und Tier haben tagsüber große
Temperaturschwankungen von 0 bis35 Grad auszuhalten. Im
Winter fällt das Thermometer auf minus 45 Grad.
Unser europäisches Grautier ist übrigens mit den
asiatischen Wildeseln nicht verwandt. Es stammt von
nordafrikanischen Tieren ab.
© SN. |