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Autobahn der Wildesel
04. Jänner 2003


Der Salzburger Zoo hat ein neues Projekt auf schnelle Beine gestellt. Er kümmert sich in der Mongolei nicht nur um die Wiederansiedelung der Przewalski-Pferde, sondern auch um Khulane. Diese Wildesel sind ausdauernde Läufer. Doch ihrer Bedrohung in Gestalt des Menschen entkommen sie nur mit tatkräftiger Unterstützung.

URSULA KASTLER

Christian Walzer öffnet seinen Laptop, stellt den Bildschirm gerade und klickt die Landkarte der Mongolei an. Inmitten der feinen schwarzen Linien werden bunte Punkte sichtbar, die hin- und herflitzen und dann längere Striche bilden. "Der rote und der blaue Punkt sind je ein Weibchen. Der grüne Punkt ist ein Männchen. Es ist faszinierend, wie sich die Tiere im Raum organisieren. Sie wandern über lange, festgesetzte Strecken und benutzen richtige Esel-Autobahnen", sagt er. Christian Walzer ist Veterinärmediziner im Zoo Salzburg und leitet gemeinsam mit Zoologin Petra Kaczensky ein Wildesel-Projekt im Südwesten der Mongolei.

Warum gerade Wildesel? Die Khulane, wie sie wegen der gelblichen Farbe des Fells genannt werden, sind seit 1953 in der Mongolei geschützt. Doch die Bevölkerung hat sich vermehrt und die Winter der vergangenen Jahre waren hart. Das führte zu Konflikten um Lebensräume. Die Menschen suchen dieselben Wasserstellen auf wie die Wildesel und verscheuchen damit die Tiere. Die Nomaden sehen in den Khulanen Weidekonkurrenten für ihre Haustiere. Sie selbst wildern die Esel, sobald sie ihre eigenen Tiere verlieren. "Die Mongolen sehen die Esel als Schädlinge und als Fleischlieferanten. Wenn die Wilderei um sich greift, ist der Bestand von 1000 Tieren gefährdet. Sie machen außerdem Druck auf die Regierung, Khulane zum Abschuss freizugeben." Walzer und seine Mitarbeiter bauten deshalb ein Anti-Wilderer-Programm auf. Speziell ausgebildete Einheimische haben ein wachsames Auge auf die Tiere, die im 12.000 Quadratkilometer großen Gobi-B-Nationalpark leben. Im Juli 2002 begannen die Salzburger mit einem Monitoring.

Zwei junge Stuten und ein junger Hengst wurden mit Sendern ausgerüstet. Die Daten werden über Satelliten übertragen. Deshalb kann Christian Walzer auf seinem Bildschirm in Salzburg die Wege und Aufenthaltsorte der Khulane mitverfolgen. Den flotten Vierbeinern das Halsband umzuhängen, war nicht einfach: "Sie rennen mit einer Geschwindigkeit bis zu 60 km/h. Das ist superschnell. Und sie sind ausdauernde Läufer. Ein Khulan kann an einem Tag eine Strecke von bis zu 60 Kilometern Luftlinie zurücklegen und er hat eine riesige Fluchtdistanz." Die Lösung war ein kleines grünes, nicht sehr bequemes Zelt. "Wir haben in der Dämmerung morgens und abends die Khulane beobachtet. Probleme machte uns der Wind. Er bläst dort teilweise mit 60 bis 80 km/h. Es ist sinnlos, mit dem Narkosegewehr schießen zu wollen."

Zwei Jahre lang sollen die Sender halten, dann werden sie sich von selbst von den Hälsen der Esel lö-sen. Bis dahin hoffen die Forscher einiges zu erfahren. "Bis jetzt gibt es keine Untersuchungen. Wir wissen wenig über ihre Lebensgewohnheiten und ihr Sozialsystem. Keine Informationen gibt es über die genetische Zusammensetzung der verschiedenen Gruppen. Der mongolische Wildesel ist vermutlich eine eigene Art", sagt Walzer.

Die Tiere bilden lose Verbände, nicht wie Pferde Haremsgruppen. Die Gruppen "teilen" einander nicht mit, wenn Gefahr in Verzug ist. Männliche Khulane besetzen - oft nur für Stunden - ein Territorium um eine Wasserstelle. Dort kämpfen die Hengste miteinander. Die Stuten ziehen durch und werden gepaart. Im Juni und Juli kommen die Fohlen zur Welt.

Interessant wird sein, wo die 1000 Khulane des Gobi-B-Nationalparks den Winter verbringen. Walzer vermutet, dass sie Richtung China ziehen, wo es mehr Futter gibt und die Witterung besser ist. Ihre Heimat ist alles andere als gemütlich. Das Gebiet des Nationalparks ist Luftlinie 1500 Kilometer von der Hauptstadt Ulan-Bator - das bedeutet rote Stadt - entfernt. Es ist eine Hochlandsteppe mit geringem Niederschlag. Mensch und Tier haben tagsüber große Temperaturschwankungen von 0 bis35 Grad auszuhalten. Im Winter fällt das Thermometer auf minus 45 Grad.

Unser europäisches Grautier ist übrigens mit den asiatischen Wildeseln nicht verwandt. Es stammt von nordafrikanischen Tieren ab.

© SN.

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