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Eine Wasserkraftanlage für die Gemeinde Chatgal? Oder die nicht alltägliche Geschichte eines Projektes, das durchaus aus dem Rahmen fällt

Von J. Geu, August 2004

Eines der größten Probleme in den kleinen mongolischen Siedlungen ist das Fehlen einer kontinuierlichen und sicheren Versorgung mit Elektroenergie. Das dachte sich auch Klaus Weigel, ein Wasserkraftanlagen Betreiber aus dem Erzgebirge, dem die deutsche Bürokratie und die zunehmende Anti-Wasserkraftstimmung in Sachsen den Elan in heimatlichen Gefilden gebremst hat. Hier, in der Mongolei, könnte man mit dezentralen Anlagen Menschen erstmals sicheren Strom bringen und dazu noch Kosten für die Dieselverstromung einsparen. Eine super Idee, wenn man eine Möglichkeit hat, ein solches Projekt zu finanzieren. Ein günstiger Standort für eine solche Anlage war relativ schnell gefunden, zumal man auf eine deutsch-mongolische Partnerschaft aufbauen konnte, die schon mehrere Jahre bestand. Der sächsische Landkreis Mittweida hatte über ein von der EU finanziertes Projekt, Verwaltungsangestellte des Bezirkes Khuvsgul bei der Erarbeitung eines regionalen Entwicklungsplanes unterstützt. Innerhalb der Schwerpunkte für die weitere Entwicklung der Region um den Khuvsgul See, einem Verwandten des Baikalsees, spielte die sichere Energieversorgung eine zentrale Rolle. So war es nur folgerichtig, dass die Landkreisverwaltung für einen späteren Arbeitsbesuch in der Mongolei, einen Wasserkraftanlagenfachmann suchte, der die Situation vor Ort einschätzen sollte. Beim sächsischen Wasserkraftverband wurde man dann fündig und zwei Spezialisten ergänzten dann im Herbst 2003 das Team der Verwaltungsangestellten aus Mittweida.


Vermessungsarbeiten am
Standort Chatgal

Als Klaus Weigel, die konkrete Situation vor Ort sah, stand für ihn fest, hier muss eine Wasserkraftanlage hin. Unmittelbar am Abfluss des Khuvsgul Sees, eines riesigen natürlichen Speicherbeckens, schoss das Wasser in ausreichender Menge über eine Stromschnelle, die von hier ab den Fluss Eg bildet. Da der See innerhalb weniger Jahre zum Haupttourismusziel der Mongolei geworden ist, war klar, hier wird Strom gebraucht!

Wieder im heimatlichen Erzgebirge, drehten sich die Gedanken des emsigen Pensionärs nur noch um die Wasserkraftanlage für die Gemeinde Chatgal am Khuvsgul See. Hoffnung schöpfte man auch, weil die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), gerade für diese Region in der Mongolei ein Großprojekt für regenerative Energien durchführte und um die Nutzung solcher Energien handelt es sich bekanntlich bei Wasserkraftanlagen.

Der Optimismus war groß und die nächsten Wochen damit ausgefüllt, zu rechnen, zu recherchieren und auch noch mal bei einer zweiten Mongoleireise im Büro der GTZ in Ulaanbaatar vorbeizuschauen. Ganz schnell war auch klar, dass man eine teure deutsche Turbine nicht in die Mongolei transportieren kann, ohne den Kostenrahmen von vornherein zu sprengen. Eine Turbine in China fertigen zu lassen, wäre eine Variante gewesen, aber warum die nicht gleich in der Mongolei bauen und damit einen weiteren entwicklungspolitischen Effekt erzeugen?

 

In Erdenet fand Klaus Weigel einen metallurgischen Betrieb, der durchaus in der Lage war, eine solche Turbine zu fertigen. Mit dem selbst konstruierten Modell eines Turbinenflügels und viel Erfahrung im Gepäck flog Klaus Weigel wieder in die Mongolei.

Geplant war es, eine erste Turbine zu bauen und mit den Vorbereitungen für den Bau der eigentlichen Wasserkraftanlage in Chatgal zu beginnen, soweit alles klar, was aber immer noch fehlte war die Finanzierung des Projektes, denn durch den Stromverkauf kann man unter den derzeitigen Bedingungen in der Mongolei eine solche Anlage nicht finanzieren - in Deutschland übrigens auch nicht, aber da hilft das so genannte Energieeinspeisungsgesetz, dass den Wasserkraftanlagenbetreibern auf lange Sicht feste Stromverkaufspreise garantiert.


Vermessungsarbeiten am
Standort Chatgal

Hier, in der Mongolei wäre möglicherweise die GTZ gefragt, mit einer Zufinanzierung zum Projekt, dafür beizutragen, dass sowohl deutsches Know-how transferiert, als auch die Entwicklung der Region positiv beeinflusst wird.

Die Kasse bei der GTZ war aber leer, jetzt kam Klaus Weigel der mongolische Wahlkampf zu Hilfe, ein Kandidat der Oppositionspartei hatte in seinem Wahlkreis versprochen, eine defekte Turbine in einem Kleinwasserkraftwerk zu ersetzen. Also dachte sich Klaus Weigel, wird meine erste Turbine nicht wie vorgesehen in Chatgal, sondern in einem Dorf im Westen der Mongolei eingebaut.

Die Fertigung in Erdenet begann mit Hochdruck, Schwierigkeiten gab es genug, aber die Turbine nahm Formen an. Nun war der gestellte Termin zur Wahl aber einfach nicht zu halten, der Kandidat erhielt nicht das angestrebte Mandat, was nicht unbedingt mit der Turbine zusammenhängen muss, aber von da ab war die spätere Abnahme derselben nicht mehr so ganz sicher. Nach zwei Monaten musste Klaus Weigel aus persönlichen Gründen auch erst einmal nach Deutschland zurück.


Produktionsstätte für die Turbine
in Erdenet

Mittlerweile steht die erste in der Mongolei gefertigte Wasserturbine betriebsbereit in Erdenet und Klaus Weigel wird wohl im September auch wieder dort sein. Eine Geschichte, deren Ausgang noch offen ist, die aber heute nicht als normal betrachtet werden kann, in einer Zeit, in der deutsche Unternehmer nur noch auf die absolut sichere Rendite setzen und Entwicklungshilfe fast ausschließlich über auskömmliche Honorarverträge mit externen Beratern läuft. Vielleicht irrt man da auch und es gibt doch noch mehr Leute von diesem Schlage. Klaus Weigel würde sich über Mitstreiter für dieses Projekt jederzeit freuen.

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