Wirtschaftstag der Mongolei stieß auf ausgesprochen großes Interesse
Von J. Geu, 26. September 2003
Bis auf den letzen Platz gefüllt war am vergangenen Dienstag die Aula im Gebäudekomplex des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit in Berlin zum Wirtschaftstag Mongolei im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen 2003. Die von der BAO Berlin organisierte Veranstaltung kann als ein voller Erfolg gewertet werden, zumindest was das Interesse an dem Thema betrifft. Erörtert wurden die Bereiche Handel, Bildung und Tourismus. Bemerkenswert waren vor allem auch die Einschätzungen der deutschen Referenten, die allgemein recht positive Anzeichen für die Entwicklung der mongolischen Wirtschaft und die Perspektiven der industriellen Kooperation zwischen beiden Ländern sahen. So hob Henning Melchers vom gleichnamigen Handelshaus in seiner Rede hervor, dass die geplanten Großvorhaben im Bereich des Bergbaues nach seiner Einschätzung mittelfristig zu einem enormen Wachstum der Wirtschaftskraft führen können. Er vertrat zudem die These, dass eine Verknüpfung mit dem sibirischen Wirtschaftsraum dazu führen wird, dass Ulaanbaatar als Standort für, zum Beispiel, Dependancen internationaler Firmen mit Ambitionen in Südsibirien immer interessanter wird.
Diese These kann man nur unterstreichen, denn erweitert wird der mongolische Markt noch durch einige Gebiete im russischen
Sibirien, die an die Mongolei grenzen und überwiegend von mongolischen Bevölkerungsgruppen
bewohnt werden (Tuwa, Burjatien). Ulaanbaatar gewinnt auf Grund seiner Voraussetzungen
als Hauptstadt mit zahlreichen diplomatischen Vertretungen, sich erweiternden
Flugverbindungen, Hotelkapazitäten und dem Eisenbahnanschluß sowohl in südliche
als in westliche Richtung, immer mehr eine zentrale Stellung im südsibirischen
und zentralasiatischen Raum.
Hans Engberdin, Reiseveranstalter aus Berlin, zeichnete ein aus seiner Sicht sehr positives Bild der Möglichkeiten der Mongolei für eine weitere Entwicklung der Tourismus Wirtschaft. Wäre man vor einigen Jahren für den Terminus Tourismusland Mongolei noch belächelt worden, so referierte jetzt im Rahmen der Veranstaltung Ernst Hinsken, Vorsitzender des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestages, zu eben diesem Thema. Er kennt die Mongolei, ebenso wie seine Kollegin, die Bundestags Vizepräsidentin Antje Vollmer, persönlich, und konnte sehr konkret auf das Thema „Erwartungen an das Tourismusland Mongolei“ eingehen. Antje Vollmer setzte sich mit dem Thema „Anknüpfungspunkte für eine deutsch-mongolische Kulturpolitik“ auseinander. Sie verwies dabei, wie auch andere Redner, auf das historische Erbe aus den Beziehungen der DDR mit der Mongolei. Interessant war ebenfalls, dass sie in ihrem Vortrag auf die absolute Notwendigkeit des Baues von leistungsfähigen Straßenverbindungen in der Mongolei hinwies, die aus ihrer Sicht wesentlich dazu beitragen könnten, die Landflucht zu stoppen. Eine für eine Grünen-Politikerin eher unerwartete Position, die aber zeigt, dass deutsche Umweltpolitik mit Sicherheit nicht wörtlich in die Mongolei übertragen werden kann, wenn sie sinnvoll wirken soll.
Dr. Lutz Werner vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit wurde für seine Tätigkeit im Bereich der deutsch-mongolischen Zusammenarbeit durch die hochrangige mongolische Regierungsdelegation besonders geehrt.
Standen solche Veranstaltungen früher noch hauptsächlich unter dem Thema „Entwicklungshilfe für die Mongolei“ so mußte es diesmal eher heißen, wie schafft es die deutsche Wirtschaft den positiven Bonus aus der Vergangenheit zu erhalten und sich fest in der Mongolei zu etablieren, im Wettbewerb gegen die vorwärtsdrängenden asiatischen Anbieter, denn was die Direktinvestitionen und die Marktpflege anbetrifft, ist Deutschland in der Mongolei bisher fast ein Nobody. Da genügt auch nicht der Verweis einiger deutscher Redner auf das noch nicht perfekte Bankensystem in dem Transformationsland, denn dieses Problem hatten Firmen mit bereits bedeutenden Investitionen in der Mongolei aus anderen Ländern ebenfalls.
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